
Was ist eigentlich „BURNOUT“?
Mitte der 70er Jahre begann in den USA die Konjunktur des Begriffes „Burnout". Das Burnout-Syndrom definiert zu haben, wird dem aus Deutschland stammenden Psychoanalytiker Herbert Freudenberger zugeschrieben.
Als Sohn einer jüdischen Familie war Freudenberger vor den Nationalsozialisten in die USA geflohen. Über mehrere Stationen arbeitete er sich – mit wohl unermüdlichem Fleiß - vom Arbeiter zum promovierten Psychologen und erfolgreichen Psychoanalytiker in New York hoch. Er war dazu verheiratet und hatte drei Kinder.
Freudenberger war um das Jahr 1974, in dem er seinen ersten Aufsatz zum Thema "Burnout" schrieb, jeden Tag der Woche von 8 bis 18 Uhr in seiner Praxis tätig, umm dann freiwillig am Abend von 18 bis 23.00 Uhr noch weiter Dienst in sozialen Einrichtungen zu tun. Er fühlte sich schließlich erschöpft und müde, schlief schlecht, seine Stimmung war niedergeschlagen und er empfand einen Zusammenbruch seiner Leistungsfähigkiet. Erst als er einen Familienurlaub schwänzte und einige Wochen Ruhe hatte, soll er sich erholt haben. Allerdings ruhte Freudenberger auch jetzt nicht ganz, sondern entwarf in dieser Zeit das Konzept einer Burnout-Störung, die hochmotivierte Menschen in helfenden Berufen treffen könne.
Im gleichen Jahr veröffentlichte auch der Manager Sigmund Ginsburg eine Schrift mit dem Titel „The Problem oft the Burned Out Executive“. Ihm ging es darum, einen Kraftverlust von Spitzenkräften der Wirtschaft durch ihre aufreibende Tätigkeit zu beschreiben. Eher aus der Perspektive der Unternehmen entwickelte er Vorschläge für Gegenmaßnahmen, um die Schlagkraft eines Managers wieder herzustellen.
Das gesellschaftliche Klima dieser Zeitt (für die BRD) beschreibt auf seine Art der Psychiater Andreas Hillert: „Die Wirtschaft boomte, Arbeit und Arbeitskräfte gab es soweit genug und wer, außer eben Psychiatern, Arbeits- und Organisationspsychologen und Altkommunisten (also eine bemerkenswert bunte Mischung) hätte seinerzeit ungeschminkt über Abgründe jenseits der prosperierenden Leistungsgesellschaft geredet“. Das Selbst- und Fremdbild sei vergleichsweise unkompliziert gewesen. Mit psychischen Problemen habe man sich allenfalls am Rande befasst, der innere Abstand zu damals noch als „geistig krank" bezeichneten Menschen sei riesig und wenig von Anteilnahme geprägt gewesen.
So ist es nach Hillert zu erklären, dass Erschöpfung in der Arbeitswelt mit dem Konzept „Burnout“ zunächst von anderen psychischen Problemen wie Angst- und Depressionserkrankungen ferngehalten wurde. Auch Freudenberger habe nicht im Traum daran, bei sich selbst eine psychische Störung zu attestieren.
Wissenschaftliche Betrachtungen führen heute zu dem Ergebnis, dass das Burnout-Konzept theoretisch unscharf ist. Burnout unterscheidet sich hier von psychischen Störungen wie Depressions- oder Angsterkrankungen, die eindeutiger beschrieben und definiert sind.
Von solchen theoretischen Problemen abgesehen beschreibt der Begriff Burnout aber eben Beschwerden auf einem Kontinuum von Erschöpfung bis Depression, die auf Dauer durch eine Überforderung mit einem Übermaß an anstrengenden Aufgaben entstehen. In dieser einfachen Lesart ist der Begriff finde ich schon sinnvoll.
Vielleicht ist es auch so, daß das „Burnout“-Syndorm als Chiffre gebraucht wird in einer Gesellschaft, die Erfolg und Effizienzsteigerung zur Norm erklärt und in der es als Versagen gilt, diese einmal nicht zu erreichen. Eine Gesellschaft, in der es immer noch nicht leicht ist zu sagen: „Ich bin erschöpft".
Literatur
Andreas Hillert : Burnout – Zeitbombe oder Luftnummer ? Persönliche Strategien und betriebliches Gesundheitsmanagement. 2014, Schattauer
Herbert Freudenberger: Staff Burn-Out. In: Journal of Social Issues. Jg. 30, Nr. 1, 1974, S. 159–165.
für Interessierte: hier ist ein link zum Originalartikel von Freudenberger
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1540-4560.1974.tb00706.x/epdf?r3_referer=wol&tracking_action=preview_click&show_checkout=1&purchase_referrer=onlinelibrary.wiley.com&purchase_site_license=LICENSE_DENIED_NO_CUSTOMER



