>Fördert Tagträumen die Kreativität ?
Forscher untersuchen das Tagträumen und finden heraus: die besten Ideen haben wir oft, wenn wir unsere Gedanken treiben lassen können.
Kennen Sie das - Wenn Sie besonders wenig zu tun haben oder einer routinierten Tätigkeit nachgehen, gehen Ihre Gedanken auf Wanderschaft ? Ein Team um den Radiologen Marcus Raichle fand im Jahr 2001 heraus, woran das liegt: unser Gehirn verfügt über ein spezielles Netzwerk für das Tagträumen.
Die Wissenschaftler sahen bei Versuchen mit einem bildgebenden Verfahren (PET), dass Ihre Versuchspersonen in den Pausen zwischen ihren eigentlichen Aufgaben ein stabiles Aktivitätsmuster im Gehirn zeigten - sie aktivierten das "Default-Mode-Network" (DMN). Das DMN scheint danach ganz speziell für den freien Fluss von Erinnerungen, Gedanken und inneren Bildern zuständig zu sein.
Seither gibt es viele Ideen und Meinungen in der Sache. In einer viel beachteten Untersuchung nutzen Harvard-Psychologen das Smartphone, um dem Thema „Mind-Wandering“ nachzugehen. Sie befragten über 5000 Freiwillige mit einer speziellen APP öfters über den Tag, was sie gerade taten, und wie sie sich dabei fühlten und ob sie gerade abgelenkt waren. Die Überraschung war: sogar bei bis zu 50 % des Tages hingen die Befragten ihren inneren Gedanken und waren gar nicht bei der Sache. Und ganz besonders interessant - sie fühlten sich beim Tagträumen offenbar nicht ganz so glücklich, als wenn Sie sich besonders gut auf Ihre eigentlichen Tätigkeiten konzentrierten.
Eine richtig gute Erklärung hierfür gibt es bisher nicht. Dass Tagträumen generell unglücklich macht, wie die Macher der Studie folgerten, wollen andere so nicht gelten lassen. Der Psychologe Jonathan Smallwood von der Universität York ist der Meinung, Tagträumen sei negativ besetzt und werde für Zeitverschwendung gehalten. Dies führe zu den negativen Gefühlen. Zu Unrecht aus seiner Sicht - denn das Taträumen sei es auch enorm wichtig für neue Ideen und Kreativität.
Vielleicht erklärt dies, warum wir oft erst in Ruhe die Lösung für einen schwierige Frage finden oder nach einem Urlaub oder einer Auszeit einen ganz anderen Blick auf manche Dinge haben ? Und tatsächlich - in Untersuchungen konnten Versuchspersonen sich z.B. besser kreative Ideen einfallen lassen, wenn Sie zwischen der Bekanntgabe der Aufgabe und der späteren Bearbeitung die Gelegenheit hatten, Ihren Gedanken freien Lauf zu lassen.
Das Tagträumen, oder „Mind-Wandering“, hat vermutlich einen besonderen Vorteil: es ermöglicht Raum für neue Inspiration. Kreativität lässt sich nicht erzwingen und manchmal müssen wir eine Aufgabe liegen lassen, um später mit besseren Ideen daran weiter arbeiten zu können. Im „Default-Mode“, werden uns immer wieder Erinnerungen, Bilder und Gedanken-Bruchstücke zugespielt, die wir nutzen können. Genau aus diesen wandernden Gedanken entsteht möglicherweise neue Inspiration. Sie kommt nämlich nicht aus dem Nichts, sondern befindet sich bereits in unserem Kopf. Jedoch brauchen wir den freien Raum im Gehirn, das Tagträumen, um sie auftauchen und sich neu verbinden zu lassen. Die interessantesten Gedanken sollten wir dann am besten bemerken und auch festhalten, damit sie nicht wieder verschwinden.
Quellen:
Marcus E. Raichle et al.: A default mode of brain function. In: PNAS, vol. 98 no. 2 (16. Januar 2001), S. 676–682
http://science.sciencemag.org/content/330/6006/932.full
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2013.00441/full



